bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tiere oder deren Produkte auf den Menschen übertragen wird und sich an Haut, Lunge oder Darm manifestiert. Der Erreger des Milzbrands, Bacillus anthracis, befällt v. a. Rinder, Schafe, Pferde und Schweine und kommt in Südeuropa und Südamerika vor. In Mitteleuropa ist die Erkrankung selten. Meist infizieren sich Menschen aus speziellen Risikogruppen wie Bauern, Tierärzte oder Schlachthofarbeiter. Milzbrand gilt neben Pocken, Pest und Cholera als potenzielle Biowaffe, da seine Sporen sehr lange überleben können. Die Infektion einer großen Zahl von Menschen ist allerdings nur möglich, wenn Sporen als Aerosol großflächig ausgebracht werden würden. Eine direkte Übertragung des Milzbrands von Mensch zu Mensch findet normalerweise nicht statt.
Ursache und Befund: Je nach Eintrittspforte des Keimes werden drei Krankheitsbilder unterschieden. Bei der weitaus häufigsten Form, dem Hautmilzbrand (Pustula maligna), entwickelt sich 1–3 Tage nach der Ansteckung an der Eintrittsstelle des Keimes, wie z. B. einer Verletzung oder Bisswunde, eine Pustel, in deren Zentrum das Gewebe abstirbt, sich dadurch schwarz verfärbt und unter Narbenbildung abheilt. Sehr viel seltener entsteht durch Einatmen von Erregersporen der meist tödlich verlaufende Lungenmilzbrand (Hadernkrankheit), der wie eine schwere Lungenentzündung verläuft. Beim Darmmilzbrand gelangt der Bazillus über die Nahrung (z. B. rohes Fleisch oder nicht abgekochte Milch erkrankter Tiere) in den Körper und verursacht hauptsächlich blutige Durchfälle. Bei allen drei Formen kann sich die Infektion unbehandelt auf die Lymphbahnen ausbreiten und ein ernstes Krankheitsbild mit Fieber, Schwellung und brandiger Verfärbung der Milz sowie allgemeinem Kräfteverfall hervorrufen. Diese Milzbrandsepsis führt oft zum Tod.
Behandlung: Es ist eine sofortige ärztliche Behandlung mit Antibiotika nötig. Wenn noch keine Blutvergiftung besteht, ist die Prognose günstig. Die Krankheit ist bereits im Verdachtsfall meldepflichtig. In Deutschland ist kein Impfstoff gegen Milzbrand zugelassen. Eine Impfung ist dennoch möglich, sollte aber Personen aus Risikogruppen sowie Ausnahmesituationen vorbehalten sein.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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